Tagebücher

Tagebuch Michael Kardinal von Faulhabers vom 7. November 1934 bis zum 13. Februar 1936.

Basis der Edition sind die umfangreichen sogenannten Besuchstagebücher. Faulhaber begann am 28. Februar 1911, keine zehn Tage nach seiner Inthronisation als Bischof in Speyer, zu jedem Treffen die Daten, die Uhrzeiten und die Namen der Gesprächspartnerinnen und -partner festzuhalten. Die Inhalte der Unterredungen notierte er zunächst nur sehr knapp, ab 1917 aber auch ausführlicher. Er hielt zudem Informationen fest, denen er Bedeutung im politischen, sozialen oder religiösen Leben zumaß. Zumeist formulierte er nüchtern, aber einige Einträge lassen auch seine Befindlichkeiten und Meinungen erkennen. Darüber hinaus flossen briefliche Mitteilungen sowie Nachrichten aus allgemein zugänglichen Quellen wie Tageszeitungen und Radiosendungen in die Aufzeichnungen ein.

Faulhaber empfing Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Nach ersten Schätzungen traf er Jahr für Jahr bis zu 1.000 Personen, davon viele mehrfach. Vor allem verfügte er über ein dichtes Netz von Kontakten zu den Eliten aus Kirche, Politik, Adel, Verwaltung und Publizistik im In- und Ausland. Zu seinen Gesprächspartnern zählten die Päpste Pius XI. und Pius XII., der US-Präsident Warren G. Harding, der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, die Reichskanzler Wilhelm Marx und Heinrich Brüning, der bayerische Ministerpräsident Gustav von Kahr, Vertreter des bayerischen Königshauses und Bundeskanzler Konrad Adenauer. Zahlreiche weitere Personen sind in den Tagebüchern vermerkt, weil sie Gegenstand der Gespräche waren.

Faulhaber führte die Tagebücher bis kurz vor seinem Tod am 27. April 1952 sehr diszipliniert und ohne größere Unterbrechungen. Die Überlieferung erstreckt sich damit über mehr als 41 Jahre. Der Bestand der Besuchstagebücher umfasst 32 Bände in Notizbuchgröße (Oktav-Format) mit insgesamt mehr als 4.000 Seiten. In transkribierter Form werden die Tagebücher deutlich mehr als 16.000 herkömmliche Textseiten im DIN-A-4-Format umfassen.

Beiblätter

Ergänzt werden die Tagebücher durch die sogenannten Beiblätter, stenografische Notizzettel, die einen Bezug zu den Besuchstagebüchern aufweisen. Faulhaber fertigte sie an, um zu wichtigen Themen, Vorkommnissen und Gesprächen umfangreichere Überlegungen festzuhalten. Sie zeichnen sich durch Detailreichtum und ein hohes Reflexionsniveau aus. Einzelne Beiblätter, die bereits transkribiert veröffentlicht sind, werden von der historischen Forschung häufig herangezogen.

Ein Beiblatt umfasst im Durchschnitt eine bis vier Seiten, ebenfalls im Oktav-Format. Zum Teil sind die Beiblätter datiert und dadurch den jeweiligen Tagebüchern zuzuordnen. Vielfach muss der Bezug zu den einzelnen Tagebucheinträgen aber über den Inhalt erschlossen werden. Bisher sind deutlich mehr als 3.000 Seiten Beiblätter aufgefunden worden. In transkribierter Form dürften die Texte etwa 13.000 Seiten DIN-A4 entsprechen.

Beiblatt vom 10. März 1933.