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     Tagebuch EAM NL Faulhaber 10000

Neue Einträge online: 1911-1916

Zum 17 Mai 2018 sind auf der Seite der Faulhaber-Edition die Einträge aus Kardinal Faulhabers Besuchstagebüchern für die Jahre 1911 bis 1916 online gestellt worden.

Sie werfen ein Schlaglicht auf Faulhabers Anfänge im Hirtenamt als Bischof von Speyer (1911-1917), auf den Aufbau seiner Netzwerke, die ihn zum Teil bis in seine Kardinalszeit begleiteten. Jahrgang für Jahrgang treten auch die Schwerpunkte seines Strebens in Speyer deutlicher hervor: Die Bildung der Frauen und ihre Einbindung in die Kirche, die Ablösung der Simultanverhältnisse in dem konfessionell gemischten Diözesangebiet, die katholische Lehrerbildung und die Akademikerseelsorge. Weitgehend ausgeblendet bleiben die Ereignisse des Ersten Weltkriegs und der Soldatenseelsorge, für die Faulhaber als stellvertretender bayerischer Feldpropst verantwortlich war. Hierzu legte Faulhaber eine eigene Tagebuchreihe an; die Besuchstagebücher behandeln überwiegend seine diözesane Tätigkeit.

Zu Faulhaber als Bischof von Speyer siehe auch die neue Veröffentlichung von Dominik Schindler, Der Kairos im Chronos der Geschichtlichkeit. Michael Faulhaber als Bischof von Speyer (1911-1917) (Münchner Kirchenhistorische Studien, Neue Folge, Bd. 7), Stuttgart 2018.

In dieser kritischen Online-Edition werden die Tagebücher Michael Kardinal von Faulhabers und die sogenannten Beiblätter aus den Jahren 1911 bis 1952 veröffentlicht. Es bedeutet einen großen Glücksfall für die Forschung, dass diese Dokumente über einen so langen Zeitraum lückenlos überliefert sind. Erstmals wird dieser Textkorpus systematisch aus der Kurzschrift Gabelsberger übertragen und der Öffentlichkeit in Gänze zur Verfügung gestellt. Die Texte und später auch die Kommentare werden in regelmäßigen Abständen online verfügbar gemacht.

Der Münchner Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber (1869-1952) war ein machtbewusster Kirchenfürst, ein politischer Vordenker, ein hochgelehrter Theologe und ein internationaler Netzwerker. Er prägte die Geschichte der katholischen Kirche über zahlreiche Umbrüche hinweg, vom Kaiserreich über den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik und den Zweiten Weltkrieg bis in die Besatzungszeit und die ersten Jahren der Bundesrepublik. Faulhaber mischte sich ein, nahm Stellung und scheute keinen Streit, wenn es um die Interessen der Kirche und die Verteidigung des Glaubens ging. Das brachte ihm viele Verehrer, aber auch viele Feinde ein. Besonders umstritten ist er heute wegen seiner Kriegsrechtfertigungen, seiner Kritik an der Weimarer Republik und seines Verhaltens im „Dritten Reich“.

Auch politische und kulturelle Entwicklungen beobachtete Faulhaber sehr genau – und versuchte sie zu beeinflussen. Seine Aufzeichnungen sind daher nicht nur eine wichtige Quelle für Kirchenhistoriker, sondern auch für grundlegende Fragen der deutschen und europäischen Politik-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die universelle Struktur der katholischen Kirche eröffnet außerdem internationale Vergleichshorizonte.

Das Editionsprojekt wird insbesondere neue Beiträge zum Verhältnis von Religion und Politik und zum Umgang der katholischen Kirche mit totalitären Ideologien ermöglichen. Gleiches gilt für innovative Forschungen zur Theologie- und Kulturgeschichte, etwa mit Blick auf personelle Netzwerke, Frömmigkeitsformen, Kriegsdeutungen und Geschlechterrollen im Katholizismus oder die Beziehungen zu anderen Glaubensgemeinschaften.

Das Team des Projekts hat sich die von Faulhaber verwendete Kurzschrift Gabelsberger angeeignet. Das Projekt trägt so dazu bei, diese Kulturtechnik vor dem Aussterben zu bewahren. Durch die technische Weiterentwicklung der Datenbanken und Darstellungsformen leistet das Projekt zudem einen Beitrag zur Verbesserung der Forschungsinfrastruktur.