Familienbild der Familie Faulhaber: (vorne, v.l.n.r.) Robert, Mutter Margareta und Vater Michael; (hinten, v.l.n.r.) Katharina, Anna Maria, Michael, Peter, Ignaz; um 1893.

Als überzeugter Monarchist, sozialisiert im katholischen Milieu des Kaiserreichs, steht Michael Kardinal von Faulhaber in vielem repräsentativ für breite Strömungen im deutschen Katholizismus. Er war eine Gestalt, die viele Zeitgenossen beeindruckte, Freunde ebenso wie Gegner. Faulhaber bewegte sich selbstsicher in höchsten gesellschaftlichen Kreisen und wird bis heute gerne als „Kirchenfürst“ bezeichnet. Doch den Adelstitel erhielt er erst 1913. Er vertrat eine neue Generation von Bischöfen, die aus einfachen Verhältnissen stammten. Faulhaber wurde am 5. März 1869 im unterfränkischen Dorf Klosterheidenfeld geboren, wo seine Eltern eine Bäckerei betrieben. Er hatte zwei ältere und drei jüngere Geschwister. Der Ortspfarrer bemerkte sein Talent und seinen Fleiß, ihm hatte er es zu verdanken, dass er in Schweinfurt und später in Würzburg das Gymnasium besuchen konnte.

Nach dem Abitur und dem Wehrdienst in der bayerischen Armee hätte Faulhaber, den das Militär faszinierte, eine Offizierslaufbahn einschlagen können. Doch stattdessen trat er 1889 ins Würzburger Priesterseminar ein und studierte Theologie. 1892 wurde er zum Priester geweiht. In den folgenden Jahren widmete er seine wissenschaftliche Arbeit der Patristik, der Zeit der Kirchenväter. Außerdem arbeitete er als Kaplan, Präfekt des Knabenseminars „Kilianeum“ und Pfarrverweser. Dank eines Stipendiums lebte er von 1896 bis 1898 in Rom, von wo aus er auch ins Heilige Land pilgerte. 1895 wurde er promoviert, 1899 habilitiert. Bevor er 1903 eine Professur für Alttestamentliche Exegese und Biblische Theologie in Straßburg erhielt, reiste er zu Studienzwecken nach England und Spanien. Faulhaber eignete sich umfangreiche Fremdsprachenkenntnisse an. Er sprach Italienisch und Englisch, verfügte über Lehrwissen in Latein, Griechisch, Hebräisch und Aramäisch sowie über Kenntnisse im Spanischen und Französischen.

1911 wurde Faulhaber durch den bayerischen König zum Bischof von Speyer nominiert. Zu seinem Leitspruch wählte er „Vox temporis vox Dei“, in Faulhabers eigener Übersetzung „Was Bedürfnis der Zeit ist, ist ein Aufruf Gottes“. Als Redner und Prediger erreichte er bald ein Massenpublikum. Unter anderem hatte er prominente Auftritte auf den jährlich stattfindenden Katholikentagen, wo er für die Rechte der Kirche, aber auch für ein Engagement der Laien unter enger Anbindung an den Klerus stritt.

Michael von Faulhaber an seinem Arbeitstisch im Bischofshof Speyer; um 1915.
Michael von Faulhaber mit den bayerischen Bischöfen bei der Bischofskonferenz in Freising 1917: (vorne, v.l.n.r.) Ferdinand von Schlör (Würzburg), Antonius von Henle (Regensburg), Michael von Faulhaber (München), Johann Jakob von Hauck (Bamberg) und Maximilian von Lingg (Augsburg), (hinten, v.l.n.r.) Ludwig Sebastian (Speyer), Johannes Leo von Mergel OSB (Eichstätt), Sigismund Felix von Ow-Felldorf (Passau); 1917.

Im Ersten Weltkrieg reiste Faulhaber als stellvertretender Feldpropst der bayerischen Armee wiederholt an die Front. In zahlreichen Kriegspredigten verteidigte er die „gerechte Sache“ der deutschen Seite. Er trat aber auch einer Verherrlichung des Krieges entgegen.

1917 wurde Faulhaber wiederum durch königliche Nomination Erzbischof von München und Freising und damit Sprecher der bayerischen Bischofskonferenz, 1921 ernannte ihn Papst Benedikt XV. zum Kardinal. In den Jahren nach 1917 entwickelte der Erzbischof ein enges Verhältnis zum Nuntius in München, Eugenio Pacelli, der später Kardinalstaatssekretär wurde und von 1939 bis 1958 als Papst Pius XII. die Geschicke der katholischen Kirche leitete. Das sicherte Faulhaber auch in den kommenden Jahrzehnten großen Einfluss in Rom.

Seine vielen Reisen nach Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Schweden und Ungarn sowie in die Niederlande, die Schweiz und die USA förderten den Dialog mit den dortigen kirchlichen Stellen und eröffnete der Kirche und der kirchlichen Armenfürsorge in Bayern neue Finanzquellen.

Auch in der Zeit der Weimarer Republik war Faulhaber zunächst noch ganz den überlieferten Vorstellungen einer Monarchie von Gottes Gnaden verhaftet, seine Loyalität galt insbesondere dem Wittelsbacher Königshaus. Die Revolutionen im Reich und in Bayern lehnte er vehement ab. Auch der Weimarer Verfassung, die in Richtung einer Trennung von Kirche und Staat zielte und auf einen Gottesbezug verzichtete, verweigerte er seine Zustimmung. Mit dem katholischen Reichskanzler Joseph Wirth, der mit der SPD koalierte, zerstritt er sich ebenso wie mit dem Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, der als Präsident den Katholikentag in München 1922 leitete.

Begrüßung Michael von Faulhabers in München durch geistliche und weltliche Würdenträger nach seiner Rückkehr am 20. März 1921 aus Rom anlässlich seiner Kardinalskreierung; 1921.
Hauswand mit der Aufschrift „Kardinal Faulhaber ist ein Hochverräter.“; um 1938.

Ob Faulhaber sich später zu einem „Vernunftrepublikaner“ entwickelte, ist umstritten. Zweifellos prägte ihn ein heftiger Antikommunismus. Spätestens seit dem Hitler-Putsch von 1923 galt er aber auch den Nationalsozialisten als Gegner. Faulhaber wandte sich in der „Hauptstadt der Bewegung“ früh gegen den modernen Rassenantisemitismus. In den Adventspredigten und der Silvesterpredigt des Jahres 1933, die in hoher Auflage gedruckt erschienen, verteidigte er das Alte Testament. Im „Dritten Reich“ stritt Faulhaber dann unverändert für die Interessen der Kirche. Ende Januar 1934 wurden auf das Erzbischöfliche Palais zwei Schüsse abgegeben. Der Kardinal traf im November 1936 Hitler auf dem Obersalzberg. Entscheidend beteiligt war Faulhaber an den Vorarbeiten zur Enzyklika „Mit brennender Sorge“, mit der Papst Pius XI. 1937 die Verhältnisse im nationalsozialistischen Deutschland kritisierte. Der Münchner Erzbischof gilt als Vertreter eines vergleichsweise offensiven Kurses gegen die Nationalsozialisten. In der Forschung umstritten oder nur unzureichend erforscht ist aber sein Verhalten gegenüber den verschiedenen Opfergruppen im „Dritten Reich“: Juden, Roma und Sinti, Sozialdemokraten und Kommunisten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas, „Asozialen“, Kranken und Behinderten, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern.

Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg kümmerte sich Faulhaber nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert darum, die Lebensbedingungen für die Menschen in der Erzdiözese zu verbessern. Für die amerikanische Militärverwaltung war er ein wichtiger Ansprechpartner. Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches weckte bei ihm auch Hoffnungen auf eine umfassende Rechristianisierung der deutschen Gesellschaft. Zugleich brachten die Flüchtlingsströme das traditionelle konfessionelle Gefüge ins Wanken. Wie Faulhaber in der Nachkriegszeit und in den ersten Jahren der Bundesrepublik agierte, ist aber noch wenig erforscht. Wichtige Schlagwörter wären die Soziale Marktwirtschaft, die Gründung der Unionsparteien, die Westbindung der Bundesrepublik und die beginnende europäische Einigung. Faulhaber starb am 12. Juni 1952 in München.

Michael Kardinal von Faulhaber mit Albert F. Kaelin, Religious Affairs Officer bei der bayerischen Militärregierung, neben zwei Klerikern und einem Militärangehörigen; 1946.